Ein Geschäftskunde möchte in Magento einkaufen, aber seine Bestellung weiterhin im eigenen Beschaffungssystem prüfen und freigeben. Genau dafür gibt es PunchOut. Der Einkäufer startet beispielsweise in SAP Ariba, Coupa, Oracle Procurement oder SAP SRM, öffnet von dort den Magento-Katalog und gibt den fertigen Warenkorb an sein System zurück.
Kurz gesagt: Magento bleibt für Katalog, Produktkonfiguration, Verfügbarkeit und kundenspezifische Preise zuständig. Das Beschaffungssystem behält Budgets, Freigaben und die interne Bestellanforderung unter Kontrolle.
So läuft eine PunchOut-Bestellung ab
- Der Einkäufer wählt den Lieferanten in seinem Beschaffungssystem.
- Das System sendet eine authentifizierte PunchOut-Anfrage an Magento.
- Magento erkennt die Einkaufsorganisation und öffnet eine zeitlich begrenzte Sitzung im passenden Kunden- und Store-Kontext.
- Der Einkäufer sucht Produkte, wählt Optionen und stellt den Warenkorb zusammen.
- Über „Zurück zum Einkaufssystem“ werden die Positionen per OCI oder cXML übertragen.
- Im Beschaffungssystem folgen Kostenstelle, Genehmigung und Bestellung.
Die Warenkorbrückgabe ist noch keine Magento-Bestellung. Bei cXML kann die genehmigte Bestellung später als OrderRequest an Magento gesendet und dort als Auftrag angelegt werden. Bei einem reinen OCI-Ablauf endet die Standardschnittstelle üblicherweise mit der Warenkorbübergabe.
Was Magento weiterhin berechnet
PunchOut ersetzt die Commerce-Logik nicht. Der Katalog wird weiterhin mit den Regeln der aufgelösten Website, Store View und Kundenidentität aufgebaut. Dazu gehören:
- freigegebene Produkte und kundenspezifische Kataloge
- Staffel-, Gruppen- und Vertragspreise
- Produktoptionen und konfigurierbare Artikel
- Steuern, Währung, Bestand und Warenkorbsummen
- installierte Magento-Erweiterungen für Preise oder Sortiment
Darum ist die Zuordnung des Käuferprofils so wichtig. Eine technisch erfolgreiche Anmeldung reicht nicht aus, wenn sie den falschen Kunden oder die falsche Store View öffnet.
OCI oder cXML?
Das Protokoll gibt meist der Kunde vor. OCI ist besonders in SAP-geprägten Umgebungen verbreitet und überträgt den Warenkorb über benannte Formularfelder. cXML verwendet strukturierte XML-Nachrichten und wird unter anderem von SAP Ariba, Coupa und Oracle Procurement eingesetzt.
Für den sichtbaren Einkauf sind beide Verfahren ähnlich. Der Unterschied zeigt sich im Nachrichtenvertrag und im weiteren Belegprozess. cXML kann neben Login und Warenkorbrückgabe auch Bestellung, Bestätigung, Versandmeldung und Rechnung abbilden. OCI konzentriert sich auf Katalogaufruf und Warenkorbübergabe.
Was vor der Einrichtung geklärt sein muss
Der Name der Einkaufsplattform allein reicht nicht als Spezifikation. Benötigt werden mindestens:
- Testzugang und technische Ansprechpartner auf beiden Seiten
- Protokoll, Version und Beispielnachrichten des Käufers
- Käuferidentitäten, Zugangsdaten und erlaubte Rückgabeziele
- Magento-Kunde, Website, Store View und Preislogik
- Pflichtfelder wie Artikelnummer, Einheit, Währung und Klassifikation
- gewünschter Umfang nach der Freigabe, etwa cXML-Bestellung und Folgebelege
Vorlagen für SAP OCI, SAP Ariba, Coupa und Oracle verkürzen den Einstieg. Sie ersetzen nicht die Abstimmung mit dem konkreten Kundensystem.
Für welche Lieferanten lohnt sich PunchOut?
PunchOut ist sinnvoll, wenn Geschäftskunden ihren Einkauf zentral steuern und trotzdem auf den aktuellen Lieferantenkatalog zugreifen sollen. Typische Gründe sind kundenspezifische Sortimente, regelmäßig wechselnde Preise, konfigurierbare Produkte oder die Vorgabe, Bestellanforderungen ausschließlich im Einkaufssystem anzulegen.
Für einen kleinen Kunden mit wenigen, unveränderten Artikeln kann ein statischer Katalogexport genügen. Je stärker Produktdaten, Preise und Konfiguration von Magento abhängen, desto mehr spricht für den direkten PunchOut-Zugang.
Häufig gestellte Fragen
Braucht der Einkäufer ein separates Magento-Passwort?
Nein. Die Anmeldung erfolgt über die authentifizierte Anfrage des Beschaffungssystems. Magento kann dabei einen festen Kunden, eine E-Mail-Identität oder einen Gastkontext verwenden.
Kann ein Shop mehrere Beschaffungssysteme bedienen?
Ja. Käuferprofile trennen Zugangsdaten, Store-Kontext und Mappings. Dadurch können OCI- und cXML-Kunden parallel über dieselbe Magento-Installation arbeiten.
Wird nach der Warenkorbrückgabe automatisch bestellt?
Nicht zwangsläufig. Zunächst entsteht im Beschaffungssystem eine Anforderung. Erst dessen Freigabeprozess entscheidet, ob eine Bestellung folgt.
